Potpourri

Nach einer längeren Pause möchte ich euch wieder ganz herzlich auf meinem Blog begrüßen. Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen, das ja jetzt auch nicht mehr ganz so jung ist.

Im Folgenden werde ich euch eine Reihe von Büchern vorstellen, die ich in dieser Pause (nochmal) gelesen oder endlich zu Ende gelesen habe. Die Zusammenstellung umfasst die Themen, die mich in letzter Zeit beschäftigt haben, dazu gehört zum Beispiel das Ausmisten und die Frage, was mir in meinem Leben eigentlich wichtig ist und was nicht.

Letzteres macht sich eben auch an den Dingen fest, mit denen man sich umgibt. Ich fand es wichtig, wieder einen Überblick zu kriegen über mein Leben, materiell, aber auch immateriell. Ich habe mir dazu auch viele Youtube-Videos angeguckt; es gibt eine ganze Menge zu dem Thema . Hier muss man einfach für sich herausfiltern, was einen anspricht und wie weit man beim Ausmisten gehen will.

Ein zweiter Schwerpunkt war das Thema Kreativität. Hier hatte ich ja auch schon mal das Buch Denken wie ein Künstler von Will Gompertz vorgestellt.

Schließlich möchte ich noch ein paar Krimis vorstellen – da gibt es nicht viel drumherum zu sagen – sowie ein Sachbuch von Stephen King.

Ausmisten

Marie Kondo – Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

Das Buch von Marie Kondo ist der Klassiker zum Thema Ausmisten. Ihre Methode nennt sich Konmari (sie selbst nennt sich aber auch so). Im Wesentlichen geht es ihr darum, Kategorien von Dingen (Klamotten, Bücher…) systematisch nacheinander auszumisten und dabei das Kriterium der Freude heranzuziehen. Das heißt man nimmt jedes einzelne Teil in die Hand und hört in sich hinein, ob dieses Teil Freude hervorruft oder nicht. Wenn nicht, heißt es weg damit. Die Methode ist sehr konsequent und vielleicht für manche zu extrem. Ich finde Konmaris Buch als Inspiration sehr gut, aber ich halte es schlicht nicht für nötig, so radikal zu sein.

Hideko Yamashita – Dan-Sha-Ri: Das Leben entrümpeln, die Seele befreien: Mit der japanischen Erfolgsmethode Überflüssiges loswerden, Ordnung schaffen, frei sein

Auch hier geht es ums Ausmisten, wobei ich die Vorstellung interessant fand, dass es drei Arten von „Behaltern“ gibt. Solche, die behalten, weil sie für die Zukunft gewappnet sein wollen, solche, die behalten, weil sie nostalgisch an der Vergangenheit hängen, uns solche, die vor der Gegenwart ihres Lebens fliehen und einfach keine Zeit haben, sich um ihr Zeug zu kümmern. Regelmäßig Ausmisten heißt nämlich auch, in der Gegenwart zu leben. Insgesamt geht dieses Buch sehr auf die emotionale Ebene des Entrümpelns ein.

Fumio Sasaki – Das kann doch weg!: Das befreiende Gefühl, mit weniger zu leben. 55 Tipps für einen minimalistischen Lebensstil

Sasakis Buch enthält zum einen Fotos und Beschreibungen von Minimalisten, was für den ein oder anderen Leser inspirierend sein kann. Aber auch hier ist es teilweise schon extrem, wie wenig die Leute besitzen. Das Buch enthält nicht nur viele praktische Tipps, Sasaki erzählt auch viel darüber, wie ihn der Minimalismus persönlich verändert hat. Dazu gehören eine größere Zufriedenheit und Dankbarkeit sowie das Gefühl, nicht mehr durch Besitztümer einen bestimmten Eindruck auf andere Menschen machen zu wollen.

Ein Buch über ein verwandtes, aber weniger materielles Thema ist das Buch Essentialism von Greg McKeon. Letztlich ist die Message hier, so wie ich sie verstehe, dass man sein Leben konsequent priorisieren sollte. Also dass man sich bei allem, was man tut, fragen sollte, ob es wirklich das ist, was man tun möchte und was einem wirklich wichtig ist. Wenn man zu einer Arbeit, einer Freizeitbeschäftigung etc. nicht Ja! sagt, dann sollte man nein sagen. Klingt gut, ist aber natürlich praktisch nicht immer umsetzbar. Dennoch hat man im Leben ja auch oft die Wahl :-), und da hilft es vielleicht, genauer in sich hineinzuhorchen. Interessant fand ich auch die Information, dass das Wort „Priorität“ früher nicht im Plural verwendet wurde. Das könnte man sich ein bisschen zu Herzen nehmen, denn dadurch, dass man sich durch zu viele Verpflichtungen verzettelt, entsteht Stress und das Gefühl, nichts wirklich richtig zu machen.

Das Buch The slight Edge von Jeff Olsen handelt weder von Minimalismus noch Essentialismus, aber es passt trotzdem in die Thematik, weil es auch hier darum geht, Prioritäten zu setzen. Wichtig ist dabei aber der Aspekt, eine priorisierte Aktivität umzusetzen. Den Kerngedanken des Buches finde ich interessant, aber er ist meiner Meinung nach auf unnötige Weise ausgewalzt und die ganze Darstellung hat etwas Missionarisches, das mir nicht so liegt. Letztlich kann man die Idee meines Erachtens mit dem alten Sprichwort Kleinvieh macht auch Mist zusammenfassen. In meinen eigenen Worten: Es geht darum, dass man mit kleinen, alltäglichen Handlungen, die leicht umzusetzen sind, auf lange Sicht sein Leben ändern kann.

Also: Es ist leicht, sich jeden Tag ein bisschen zu bewegen, und es wird auf lange Sicht einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Leider ist es aber genauso leicht, diese kleinen Aktivitäten immer wieder auf den nächsten Tag zu verschieben. Auf lange Sicht addiert sich dann das fehlende Training hin zum Negativen. Genauso kann sich das Sparen kleiner Mengen an Geld, wenn man früh genug damit anfängt, über die Zeit ordentlich summieren (um mal etwas näher an der ursprünglichen Bedeutung des Sprichwortes zu sein). Olsen konstatiert also, dass Erfolg im Wesentlichen gar nicht von einmaligen, besonderen, großen Handlungen abhängt, sondern davon, dass kleine, auf den ersten Blick unwesentliche Handlungen konsequent verfolgt werden. Und da ist, glaube ich, was dran.

Kreativität

Nonkonformisten von Adam Grant

Wieso haben manche Menschen originelle Ideen und andere nicht? Warum ist es wichtig, originell zu sein? Wie kann man Originalität fördern? Diese und andere Fragen werden sehr ausführlich in dem Buch von Adam Grant dargestellt und wissenschaftlich untermauert. Er beschreibt u.a. das interessante Phänomen, dass manche Menschen in einem jungen Alter ein paar originelle Eingebungen haben und danach eigentlich nicht mehr sonderlich originell sind, während andere erst spät originell werden, dann aber längerdauernd.

Alles nur geklaut von Austin Kleon

Das ist ein nettes kleines Büchlein, das sich auch gut zum Verschenken eignet. Es befasst sich mit der Frage, inwiefern Kunst eigentlich originär neu ist und warum „Diebstahl“ bei anderen Künstlern nicht prinzipiell schlecht ist, sondern der Beginn der eigenen Originalität sein kann. Kleon führt 10 Regeln aus, wie Kreativsein funktioniert. Ich fand’s interessant und inspirierend.

Lockerlassen von Steve Ayan

Ayan geht in seinem Buch von der weit verbreiteten Annahme aus, dass viele Probleme dadurch entstehen, dass man Entscheidungen nicht gründlich genug durchdenkt und sie nicht ausreichend analysiert. Im Gegensatz dazu möchte der Autor deutlich machen, warum mehr bewusstes Denken im Leben nicht nur nicht unbedingt weiterhilft, sondern manchmal sogar kontraproduktiv ist. Die Intuition findet manchmal ohne bewusstes Zutun Lösungen für Probleme, die unserem Bewusstsein zu kompliziert sind – wenn wir uns nur Zeit lassen und uns anderen Dingen zuwenden. Selbstvergessenheit ist das Stichwort. (Ich merke gerade, dass dieses Buch nur sehr indirekt in die Kategorie „Kreativität“ passt…)

Krimi

Zorn 8 – Blut und Strafe von Stephan Ludwig

Die Zutaten in diesem Buch sind brutale Morde und viel Privatleben der Ermittler Zorn und Schröder. Die Frotzeleien zwischen den beiden sind ganz amüsant, was mir allerdings ein bisschen gefehlt hat, sind systematische Ermittlungen. Und das auch in der zweiten Hälfte, obwohl es da wirklich spannend wird. Die Handlung wird nicht von der Aktivität der Ermittler getragen, sondern es passiert etwas mit den Ermittlern. Schließlich muss ich sagen, dass Zorn mir nicht wirklich sympathisch ist. Ich verstehe z.B. nicht, warum er immer wieder einen Behindertenparkplatz blockiert und Kaffeebecher einfach auf den Boden schmeißt. Vielleicht soll Zorn als ein Mensch mit Fehlern und Schwächen dargestellt werden, aber irgendwie funktioniert es bei mir nicht. Zumindest nicht so.

Muttertag von Nele Neuhaus

Muttertag ist ein spannender und auch informativer Krimi rund um das Thema Kindesmisshandlung. Mein wichtigster Kritikpunkt ist der, dass mir die Leute ein bisschen fernbleiben, auch Pia, die wichtigste Ermittlerin. Die Charaktere finde ich irgendwie blass, ohne zu wissen, warum. Vielleicht ist es so, dass zu wenig wirklich konkret dargestellt wird. Also statt ein bestimmtes, z.B. ängstliches Verhalten zu beschreiben, wird explizit gesagt, dass jemand ängstlich ist. Einmal wird z.B. eine Frau in einer Befragung von Pia im Nachhinein als selbstgefällig bezeichnet, diese Frau kam mir aber während des Gesprächs kein bisschen selbstgefällig vor. Es werden zudem auffällig viele Markennamen erwähnt, der Grund ist mir schleierhaft. Vielleicht soll es die Geschichte für den Leser anschaulicher machen? Muttertag ist trotz dieser Kritik ein spannender und interessanter Krimi, bei dem ich keine Schwierigkeiten hatte, dranzubleiben.

Himmelhorn von Klüpfel/Kobr (Kluftinger-Krimi)

Drei Bergsteiger stürzen in den Allgäuer Alpen von dem gefährlichen Berg „Himmelhorn“ ab. Tragischen Unfall oder Mord? Zwei verfeindete Bergbauern-Familien sind in die Sache verwickelt; die Ermittlungen führen weit in die Vergangenheit. Der Krimi besteht zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Klamauk rund um das Privatleben des Kommissars (die Schwiegertochter ist schwanger und Kluftinger würde sie am liebsten in Watte packen), das ist ganz amüsant zu lesen, manchmal driftet es aber sehr ins Alberne ab. Für mich war es im Moment des Lesens okay, weil ich auf leichte Lektüre aus war, und trotz dieser Kritik gut unterhalten wurde. Für manchen mag es etwas zu viel privates Drumherum sein.

Über das Schreiben

Das Leben und das Schreiben: Memoiren von Stephen King.

Das Buch ist eine Art Biographie, gepaart mit einem Buch über das Schreiben (wie der Titel schon nahelegt :-)). Es ist locker-flockig geschrieben, auch die Teile über Kings Kindheit, die eigentlich teilweise zum Weinen sind. Er macht auch keinen Hehl aus seiner früheren Drogensucht. Den Teil über das Schreiben fand ich sehr aufschlussreich. Er umfasst hilfreiche Tipps, die gut dargestellt und begründet werden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es für Leute interessant ist, die mit Schreiben nichts am Hut haben. Ich bin zwar kein Stephen King Fan und habe – genrebedingt – noch nie etwas von ihm gelesen, aber er scheint mir in seiner ehrlichen und direkten Art sehr sympathisch.

Zu guter Letzt

…noch was ganz anderes, nämlich die Empfehlung eines TED-Talks von Robert Waldinger (ich habe viel Zeit mit Youtube verbracht in den letzten Monaten.) Der Titel lautet: „What makes a good life?“ Es geht um eine Studie zum Thema Glück und Gesundheit im Leben und wovon diese abhängen. Rund 2000 Männer wurden von Jugend an untersucht, davon leben heute noch 60, die in ihren 90ern sind. Die Studie läuft also schon seit mehreren Jahrzehnten und umfasst vier Forschergenerationen, was allein schon sehr bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, Forschungsgelder und Wissenschaftler für Forschungsprojekte zu akquirieren. Genauso bemerkenswert ist die Schlussfolgerung, die Waldinger aus den Daten zieht: Entscheidend für Glück und Gesundheit sind nicht Ernährung, Sport, beruflicher Erfolg…, sondern die Beziehungen, die man zu anderen Menschen hat. Sehr informativ und unterhaltsam.

Will Gompertz – Denken wie ein Künstler

Quelle: pixabay.com

Was heißt eigentlich kreativ?

Der Titel Denken wie ein Künstler – Wie Sie Ihr Leben kreativer machen klang für mich zuerst nach einem Ratgeber, der vollmundige Versprechen abgibt, die er dann doch nicht einhält. Doch war mein Interesse geweckt und so habe ich mich ein bisschen genauer mit dem Buch befasst. Und kam zu dem Schluss, dass es vielleicht doch lohnen würde, es zu lesen. Und so war es dann auch.

Warum ist das so? Ich habe gemerkt, dass Denken wie ein Künstler kein Ratgeber ist, sondern eher eine Analyse – eine Analyse des künstlerischen Wesens. Was macht den Künstler zum Künstler? Gompertz überlässt es seinem Leser, zu entscheiden, was er aus seinen Ausführungen mitnehmen möchte.

Will Gompertz ist Kunstkorrespondent der BBC und hat Künstler verschiedener Art kennen gelernt und in ihrem Schaffen beobachtet. In Denken wie ein Künstler gibt er in unterhaltsamer Form einen Überblick darüber, was seiner Meinung nach diesen Künstlern gemein ist.

Das tut er in insgesamt 11 Kapiteln, deren Überschriften schon ganz gut andeuten, worum es geht: 1. Künstler denken unternehmerisch, 2. …scheitern nicht, 3. …sind ernsthaft neugierig, 4. …stehlen, 5.  …sind Skeptiker, 6. …sehen das große Ganze und die kleinen Details, 7. …haben einen Standpunkt, 8. …sind mutig, 9. …machen Denkpausen, 10. Alle Schulen sollten Kunstschulen sein, 11. Ein letzter Gedanke.

Aufgelockert wird das Ganze durch witzige Strichzeichnungen, Schwarz-Weiß-Abbildungen verschiedener Kunstwerke und Fotos sowie Zitaten von Künstlern zu Anfang und Ende jeden Kapitels. Innerhalb des Fließtextes sind wichtige Aussagen fett hervorgehoben.

Dazu kommt ein Farbteil mit Bildern, auf die Gompertz im Text genauer eingeht. Was er zu den Bildern zu sagen hatte, fand ich überaus spannend. Wenn ich in einem Museum bin, läuft das bei mir normalerweise so ab: Ich schaue mir ein Gemälde an, finde es ansprechend oder eher nicht. Ich bewundere den Künstler für sein Können und seine Ideen, kann ihn vielleicht einer Epoche zuordnen. Das war es aber auch schon.

Gompertz erhellt die Hintergründe zu den Bildern. Warum ist zum Beispiel Die Geißelung Christi von Piero della Francesca (1458-1460) ein so bemerkenswertes Bild? Es ist die perspektivische Darstellung, etwas völlig Neues für diese Zeit. Mit diesen und weiteren Hintergrundinformationen kann man die Bilder ganz anders, mit viel mehr Interesse betrachten.

Ich fand Denken wie ein Künstler nicht nur sehr angenehm zu lesen – Gompertz ist einfach begeistert von dem, was er tut und das merkt man dem Text an – es war auch gespickt mit gedanklichen Anregungen. So zum Beispiel im Kapitel Künstler haben einen Standpunkt, als Gompertz von dem US-amerikanischen Künstler Kerry James Marshall berichtet. Gompertz möchte ihn interviewen, und landet statt im Atelier (wo Marshall auf ihn wartet), aus Versehen zu Hause bei dessen Frau, der Schauspielerin Cheryl Lynn Bruce.

Sie bietet ihm Kuchen an, und als er sagt, dass er gerne welchen möchte, fordert sie ihn auf, sich einen Teller aus dem Regal auszusuchen. Sie sammelt Teller, von jeder Sorte gibt es einen. „Wir sind keine Roboter“, sagt sie dazu. „Das Leben ist aufregender, wenn man eine Meinung hat.“ (S. 165)

Ich fand es äußert spannend zu lesen, wie Künstler arbeiten, zu ihrem ganz persönlichen, unverwechselbaren Stil finden. Gompertz beschreibt z.B., wie Picasso von einem talentierten „Imitator“ zu einem Meister wurde. Picasso „bedient“ sich zwar auch als Meister noch bei vielen anderen Künstlern, nimmt deren Ideen auf, macht aber etwas ganz Eigenes draus, wobei die Reduktion eine wichtige Rolle spielt.

Das Denken der Künstler, wie es in den 11 Kapiteln charakterisiert wird, bildet einen wohltuenden Kontrast zu der Denkweise, die wir in der Schule lernen, und die leider so oft das Gegenteil von Kreativität ist.

Was heißt nun Kreativität? Gompertz stellt seinen Ausführungen keine Lehrbuch-Definition voraus. Ich fasse sie so zusammen: Kreativ-Sein heißt, dem eigenen Standpunkt auf originelle, neue Art Ausdruck zu verleihen, und sich dabei nicht vom Althergebrachten einschüchtern zu lassen. Dazu ist der Kreative neugierig und skeptisch und hört nie auf zu fragen. Kreativ-Sein beinhaltet die Verknüpfung von Dingen, von denen man nie gedacht hätte, dass sie zusammenpassen. Es heißt aber auch, Dinge weglassen zu können.

Fazit: Ein sehr unterhaltsames, interessantes Buch für all diejenigen, die das Gefühl haben, dass die Kreativität in ihrem Leben zu kurz kommt.

Will Gompertz – Denken wie ein Künstler – aus dem Englischen von Sofia Blind – Dumont

 

Al Gore – Truth to Power

Al Gore, Ex-Vize-Präsident und zweifacher Präsidentschaftskandidat der USA, beschäftigt sich schon seit langem mit dem Thema Klimawandel. Im Jahre 2006 veröffentlichte er  einen Film und ein dazugehöriges Buch mit dem Titel An Inconvenient Truth. Ausgehend davon rief er das sogenannte Climate Reality Project ins Leben.

Elf Jahre später gibt es nun erneut einen Film und auch Buch zum Thema. In dieser Folge-Publikation geht es zum einen darum, den Status-quo in Sachen Klimawandel darzustellen. Es wird aber auch gezeigt, welche Fortschritte gemacht wurden und es werden konkrete Hilfestellungen für die eigenen Klimaschutzaktivitäten gegeben.

Wenn man das Buch aufschlägt, merkt man direkt, dass es kein typisches Sachbuch ist. Es gibt viele Fotos und Diagramme  und relativ wenig Text, der noch dazu recht groß gedruckt ist. Eine Ausnahme bilden Porträts von Leuten, die als Mitarbeiter des Climate Reality Projects den Gedanken des Klimawandels weitertragen. Weitere Ausnahmen sind ausführliche Darstellungen ausgewählter Sachverhalte, wie die Luftverschmutzung in China. Das Buch erinnert stellenweise an eine sehr gut gemachte Power-Point-Präsentation zwischen zwei Buchdeckeln.

Doch die nette Aufmachung dient meiner Einschätzung nach nicht dazu, über mangelnde Inhalte hinwegzutäuschen. Zwar geht es inhaltlich nicht sehr in die Tiefe, aber ich hatte schon den Eindruck, dass die genannten Informationen Hand und Fuß haben bzw. aus verlässlichen Quellen stammen. Allerdings kann ich nicht verhehlen, dass ein wenig Selbstbeweihräucherung Al Gores dabei ist. Aber in erträglichem Maße.

Einen weiteren Aspekt finde ich wichtig. Er geht aus dem Untertitel des Buches hervor: Your action handbook to learn the science, find your voice, and help solve the climate crisis. Die zweite Hälfte des Buches enthält konkrete Anleitungen dafür, wie man Klimawandelaktivist wird.  Es wird z.B. erklärt, wie man Kindern das Problem des Klimawandels nahebringen kann, wie man selbst klimaschonender lebt, wie man Veranstaltungen zum Thema organisiert oder eine Präsentation vorbereitet. Es gibt sogar Briefvorlagen für Schreiben an Politiker. Letztlich ist das Buch auch deshalb lehrreich, weil Gore die Tipps zur erfolgreichen Verbreitung seines Anliegens auch selbst beherzigt und in dem Buch umsetzt.

Zwar glaube ich nicht, dass das Buch Klimawandel-Leugner vom Gegenteil überzeugen kann. Der oder die Unentschiedene kann aber durchaus Nutzen daraus ziehen. Gut fand ich auch, dass in einem Kapitel passende Antworten auf typische Einwände gegeben werden. (Bsp.: Es ist doch so kalt draußen, wie kann es da Klimawandel geben?) Das einzige, was ich vermisst habe, war ein Inhaltsverzeichnis.

Fazit: Wer sich auf angenehme Art über den Klimawandel informieren und dabei nicht zu sehr in die Tiefe gehen möchte, der ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Gleiches gilt für Leser, die selbst gerne gegen den Klimawandel aktiv werden möchten und dazu Hilfestellung suchen. Die Informationen im Buch sind zwar auf die USA gemünzt, lassen sich aber meines Erachtens auf Deutschland übertragen. Last, but not least: Gore geht an vielen Stellen darauf ein, wie weit wir Menschen beim Thema Klimaschutz schon gekommen sind. Es ist also auch ein Buch, das Hoffnung macht und zeigt, welche positiven Entwicklungen es gibt und wie diese fortgesetzt werden können.

Al Gore – Truth to Power: An Inconventien Sequel – Macmillan USA