Isabel Bogdan – Der Pfau

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Teambuildingmaßnahme mit Pfau

Der Pfau spielt in den Highlands auf dem Anwesen von Lord und Lady McIntosh. Sie vermieten Teile ihres Herrenhauses mit Wirtschaftsgebäude, Scheune etc. als Feriencottages. Notgedrungen, denn das alte Gebäude verschlingt viel Geld, das die McIntoshs mit ihren eigentlichen Berufen nicht verdienen. Sie ist Ingenieurin, er Uni-Dozent.

Die Geschichte dreht sich um die Teambuildingmaßnahme einer Gruppe von Londoner Bankern, die für ein verlängertes Wochenende im November in die Highlands kommen. Sie werden von den McIntoshs im Westflügel des alten Herrenhauses einquartiert. Und „alt“ heißt in diesem Fall wirklich „alt“. Heißes Wasser ist Mangelware, die Heizung hat den Namen nicht verdient und die Stromleitungen dürfen nicht überlastet werden, sonst gibt es keinen Strom mehr.

Die Gruppe besteht aus Liz, der Leiterin der Investmentabteilung, ihrem Team aus vier Mitarbeitern plus der patenten Köchin Helen und der Psychologin Rachel. Sie leitet die Teambuildingmaßnahme. Keiner hat wirklich Lust auf die Aktion, und auch die Gastgeber sind mäßig begeistert von ihren Gästen. Vor allem Liz scheint etwas schwierig zu sein. Aber auf das Geld können die McIntoshs nicht verzichten.

Der Pfau ist eine Geschichte, die komplett ohne wörtliche Rede und mit einer lakonischen Ausdrucksweise daherkommt. Sie ist erfrischend und kurzweilig. Der Clou der Geschichte ist meines Erachtens, dass zwar niemand direkt zu Wort kommt, der Leser dafür aber in alle Köpfe hineingucken kann (selbst in den Kopf von Liz‘ Hund Mervyn). Es mangelt nicht an Animositäten zwischen den Beteiligten und die Stimmung ist nicht gerade harmonisch. Bogdan beschreibt die jeweiligen Gedanken und Gefühle sehr treffend und mit einer guten Portion Humor.

Das Aufeinandertreffen der verschiedenen Ansichten, Wünsche, Bedürfnisse, aber auch Wissensstände ist unterhaltsam und interessant. Interessant ist auch, wie sich die Stimmung und die Ansichten der Beteiligten im Laufe der Zeit durch die zu bewältigenden Herausforderungen (und davon gibt es an diesem Wochenende nicht wenige) wandeln.

Natürlich gibt es in dieser Geschichte auch einen Pfau. Es gibt sogar mehrere, aber das namensgebende Tier ist ein wenig verrückt geworden und hat es auf blaue Dinge abgesehen. So z.B. auf das blaue Auto von Liz. Sie weiß nichts von der Störung des Pfaus und kann sich den Schaden an ihrem Auto gar nicht erklären. Die Spannung in der Geschichte ergibt sich nicht zuletzt aus der Tatsache, dass dieser Pfau irgendwann tot aufgefunden wird, und Liz denkt, ihr Hund Mervyn hätte ihn gerissen…

Abschließend noch ein kleiner Haken. Ich habe das Buch zwei Mal gelesen. Beim ersten Mal blitzte das Gefühl, dass die Geschichte ein wenig belanglos ist, nur kurz auf. Beim zweiten Mal habe ich es sehr deutlich gespürt.

Fazit: Eine gut geschriebene, treffende, humorvolle, aber für meinen Geschmack auch wenig nachhaltige Geschichte über Gruppendynamik und Persönlichkeitsentwicklung.

Isabel Bogdan – Der Pfau – Kiepenheuer und Witsch

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