Mechtild Borrmann – Der Geiger

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Der Roman von Mechtild Borrmann handelt von einem Geiger namens Ilja Wassiljewitsch, der in den 1950er Jahren mit seiner Frau Galina und den beiden Kindern in Moskau lebt und arbeitet.

Es geht aber auch um einen jungen Mann namens Sascha Grenko, Iljas Enkel, der in der Jetztzeit in Köln lebt. Nach vielen Jahren erhält er unerwartet ein Lebenszeichen seiner Schwester Vika, die er seit dem Tod seiner Eltern nicht mehr gesehen hat. Leider stirbt die Schwester, bevor Sascha mit ihr reden kann.

Ihr Tod scheint mit der berühmten Geige zusammen zu hängen, mit der Ilja seinerzeit gespielt hat, bevor er in den Gulag musste und seine Frau Galina mit den Kindern verbannt wurde.

Es gibt drei verschiedene Handlungsstränge: Iljas Schicksal im Gulag, Galinas Leben in der Verbannung und Saschas Suche nach der Geige und dem Mörder seiner Schwester. Während die Schilderungen über das Leben in Russland sehr interessant waren und mich berührt haben, empfand ich Saschas Geschichte als eher oberflächlich.

Die verschiedenen Stränge werden schließlich zusammengeführt, aber die Auflösung überzeugt mich nicht. Erstens finde ich den Spannungsbogen etwas flach. Zweitens wird mir nicht richtig klar, wie alles zusammenpasst.

Den Hauptpersonen bin ich nicht richtig nah gekommen. Vielleicht liegt es (zumindest bei Sascha) an den Stereotypen, die zu seiner Beschreibung herangezogen werden. Vielleicht liegt es auch am häufigen Wechsel der Erzählperspektive. Andererseits macht gerade dieser Perspektivenwechsel die Lektüre spannend. Dazu ist die Sprache angenehm flüssig, ohne zu simpel zu sein.

Fazit: Die Geschichte ist nicht schlecht, aber auch nicht richtig überzeugend. Mechtild Borrmanns Schreibstil gefällt mir hingegen sehr gut. Vielleicht versuche ich es mal mit einem anderen Buch der Autorin.

Mechtild Borrmann – Der Geiger – Droemer Knaur