Fred Vargas – Das barmherzige Fallbeil

Quelle: pixabay.com

Ein etwas anderer Kommissar und ein vertrackter Fall

Kurz hintereinander werden in Paris zwei Leichen gefunden, die einer Lehrerin und eines reichen Schlossherrn. Im ersten Moment deutet alles auf Selbstmord hin. Da entdeckt Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg ein merkwürdiges Zeichen, das an beiden Tatorten hinterlassen wurde. Was hat es damit auf sich?

Adamsberg und seine Mitarbeiter finden heraus, dass beide Toten vor einigen Jahren zusammen in Island waren. Damals kamen zwei Mitglieder der Reisegruppe ums Leben. Wie hängen die beiden aktuellen Fälle mit der Reise und den damaligen Toten zusammen? War es möglicherweise doch Mord?

Die Lehrerin und der Schlossherr waren aber nicht nur zusammen in Island, sondern beide auch Mitglied in einem Geheimbund. Dieser Geheimbund spielt Sitzungen der Nationalversammlung zur Zeit der französischen Revolution originalgetreu nach. Als noch weitere  Mitglieder der geheimen Vereinigung sterben, wenden sich Adamsberg und die anderen Ermittler von der Island-Spur ab. Sie begeben sich in die Untiefen des Geheimbundes, kommen aber auch hier nicht weiter…. Bis es fast zu spät ist.

Das barmherzige Fallbeil ist für meinen Geschmack ein sehr spannender Kriminalroman, und Jean-Baptiste Adamsberg ein sehr ungewöhnlicher Kommissar. Er löst seine Fälle eher intuitiv. Bilder und Gedankenfetzen steigen in seinem Kopf auf, führen ein Eigenleben. Adamsberg versucht, diese Eingebungen festzuhalten und zu deuten. Er geht nicht analytisch vor wie sein Stellvertreter Danglard, was manchmal auch zu Konflikten führt.

In dieser Geschichte fügt sich das Puzzle nicht, wie in anderen Krimis, nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen. Was nicht bedeutet, dass man im Laufe der Ermittlungen nicht immer wieder etwas Neues erfährt. Adamsberg schaut sich all diese Puzzleteile immer wieder an, dreht und wendet sie. Bis er das ganze Puzzle am Ende in einem Rutsch zusammensetzt.

Damit überrascht er sowohl den Leser als auch seine Mitarbeiter, die schon lange das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten. (Zumindest war ich überrascht über die Lösung; vielleicht geht es spitzfindigeren Lesern anders).

Adamsberg kommt sympathisch rüber, bleibt als Person aber auch ein Rätsel. Vargas stellt seine Gedanken und Gefühle nicht sehr ausführlich dar. Vermutlich, weil Adamsberg selbst keinen rechten Zugang zu ihnen hat. (Genau das ist ja der Grund für sein intuitives Vorgehen.) So gesehen stellt Vargas Adamsbergs Persönlichkeit konsistent dar. Auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet.

In der Mitte hat das Buch einige Längen, da geht es um den Geheimbund und Robespierre. Hier hätte man von den 500 Seiten etwas abzwacken können. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.

Fazit: Ein spannender Krimi mit einem etwas anderen Kommissar, mit einigen Längen in der Mitte. Wobei Menschen, die sich mehr für Robespierre interessieren, das vielleicht gar nicht so kritisch sehen.

Fred Vargas – Das barmherzige Fallbeil – aus dem Französischen von Waltraud Schwarze – Blanvalet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.