Martin Walker – Eskapaden

Eskapaden ist der achte Band der Krimi-Reihe um Bruno, „Chef de police“ im fiktiven Ort Saint-Denis im Périgord. Er beginnt sehr vielversprechend mit dem Satz: „Benoît Courrèges, Chef de police de Kleinstadt Saint-Denis und allen bekannt als Bruno, hatte sich so sehr auf diesen Tag gefreut, dass er nie auf die Idee gekommen wäre, er könnte tragisch enden.“ (S. 7).

Was dann folgt, ist eine anstrengende Beschreibung der Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag von Marco Desaix („dem Patriarchen“).  Anstrengend deshalb, weil zahlreiche Personen vorgestellt und verschiedene historische Details ausgebreitet werden (der Jubilar ist ein gefeierter Kriegsheld). Weder konnte ich mir alle Namen merken, noch verstand ich die Art der Beziehung zwischen den Leuten. Vom historischen Hintergrund ganz zu schweigen.

Mein Problem ist unter anderem sprachlicher Natur, da Walkers Sätze mit (zu) vielen Informationen gespickt sind. Ein Beispiel: „Als Gorbatschow im Kreml saß, war Crimson als Mitarbeiter der britischen Botschaft in Moskau sehr daran interessiert gewesen, Gilberts Bekanntschaft zu machen, da dieser beste Kontakte zur sowjetischen Luftwaffe unterhalten hatte. Er hatte Crimson schließlich auch dem Patriarchen vorgestellt, und zwar während einer seiner berühmten Partys in seiner Wohnung am Arbat, einer der ältesten und vornehmsten Straßen im Zentrum Moskaus.“ (S. 83/84).

Natürlich kann es sein, dass andere Leser solche Sätze überhaupt nicht kompliziert finden – umso besser! Ich habe  große Schwierigkeiten damit, die wichtigen Informationen zu extrahieren und zu behalten. Umso mehr, als mir nicht klar ist, inwiefern das Gesagte für die Geschichte wichtig ist. Walker behält diesen Stil bei, nur ist er mir in den ersten zwei Kapiteln in besonderer Weise aufgefallen.

Die Feierlichkeit endet mit dem Tod von erwähntem Gilbert. Bruno glaubt nicht an eine natürliche Todesursache und beginnt zu ermitteln. An dieser Stelle versprach es, unterhaltsamer und einfacher zu werden, aber so richtig sprang der Funke nicht über. Warum?

Da sind zum einen die Beschreibungen der verschiedenen Figuren. Walker schafft es meines Erachtens nicht, die Personen durch ihr Auftreten, ihre Sprache oder ihr Verhalten voneinander abzugrenzen. Die Figuren bleiben blass. Wenig überzeugend finde ich auch die Darstellung ihrer emotionalen Reaktionen. Dazu kommt, dass die Handlung eher vor sich hin „wabert“, als stringent voranzuschreiten. Bruno wird von diversen Essenseinladungen und anderen Pflichten einfach zu sehr in Anspruch genommen. Und der Leser wird, um im Bild zu bleiben, über all diese Nebenkriegsschauplätzen genauestens informiert. Weiterhin gibt es Szenen, die inhaltlich spannend sein sollten (zum Beispiel ein Überfall auf Bruno), aber nicht sonderlich spannend dargestellt werden.  Schließlich ist die Auflösung meines Erachtens hanebüchen.

Alles in allem finde ich die Geschichte also handwerklich nicht sehr gut gemacht. Welchen Anteil die Übersetzung an diesem Umstand hat, kann ich nicht beurteilen. Auch kann ich nichts dazu sagen, wie die ersten sieben Bände sind, da ich sie nicht gelesen habe.

Fazit:

Etwas zähe Lektüre mit blassen Figuren und zu viel Drumherum.

Martin Walker – Eskapaden – Diogenes – aus dem Englischen von Michael Windgassen

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