Banana Yoshimoto – Lebensgeister

Banana Yoshimoto heißt eigentlich Mahoko Yoshimoto und liebt die red banana flower, was auch der Grund für ihren Künstlernamen ist.

Yoshimoto hat ein Buch über eine junge Frau geschrieben, die durch einen Unfall ihren Freund verliert und selber schwere Verletzungen – innerlich wie äußerlich – davonträgt. Für einen kurzen Moment schwebt Sayoko, so heißt die junge Frau, in Lebensgefahr und tritt in die Welt der Toten ein. Doch ihr geliebter verstorbener Opa schickt sie zurück ins Leben. In Lebensgeister erfahren wir, wie Sayoko ihre Verletzungen überwindet und zu ihrer Lebensfreude zurückfindet.

Yoshimotos Geschichte hat, wie gerade schon angedeutet, übersinnliche Elemente. Nicht nur, dass Sayoko eine Nahtoderfahrung macht, sie sieht auch die Geister der Verstorben (wenn auch leider nicht den Geist ihres Freundes Yoichi). Man sollte meinen, dass Sayoko diese Erfahrung beunruhigt, aber dem ist nicht so. Später erfährt sie sogar, dass auch andere Menschen Geister sehen können.

Im Verlauf ihres Heilungsprozesses lernt Sayoko neue Menschen kennen, die ihr gut tun, und auch die Beziehungen zu bereits bekannten Menschen, z.B. Yoichis Eltern, vertiefen sich. Sie macht die Erfahrung, dass das Gute in ihr durch die anderen Menschen zur ihr zurückstrahlt und sie ist bei aller Trauer dankbar für das, was sie in ihrem neu geschenkten Leben hat. Und das umso mehr, als ihr durch den Unfall klar geworden ist: Der Tod ist immer in der Nähe.

Die Sprache ist gefällig; es klingt fast so, als wäre Sayoko eine gute Freundin, die einem ihre Geschichte erzählt. Banana Yoshimoto gelingt es, Sayokos Gefühle und Befindlichkeiten, auch den Aufenthalt in der Zwischenwelt, plastisch darzustellen. Schön auch die Beschreibungen der Natur. Eine besondere Handlung gibt es nicht; die Geschichte wird getragen von Sayokos Alltag, der Aufgabe, das künstlerische Erbe ihres Freundes zu verwalten, aber vor allem von Sayokos Gefühlen, Reflexionen und Gesprächen. Dabei werden bestimmte Themen, wie z.B. die Dankbarkeit, immer und immer wieder aufgegriffen, was ich komischerweise nicht als unangenehm empfunden habe. Eher fühlte ich mich auf schöne Art in positive Gedanken eingelullt.

Fazit:

Seelenmassage und Meditation in einem. Schwieriges Thema in Hoffnung umgemünzt. Eine warme Decke an einem kalten Tag. Vermutlich nicht für jede Stimmung geeignet. Und auch nicht für vornehmlich rational veranlagte Leser.

Banana Yoshimoto – Lebensgeister – Diogenes – Aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg

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