Einzlkind – Billy

Nein, das ist kein Rechtschreibfehler. Da steht wirklich Einzlkind auf dem Cover. Warum der Autor sich so nennt und wer er ist? Ich weiß es nicht.

Das Buch handelt von Billy, einem Auftragskiller, der nach einem erfolgreich ausgeführten Job in Amsterdam nach Las Vegas reist, um dort seinen Freund und Mitarbeiter Wharp zu treffen. Man erfährt, was Billy auf seiner Reise so alles erlebt, und in Rückblenden wird dargestellt, aus welcher Familie er stammt und wie er zu seinem Beruf gekommen ist.

Die Reise ist gespickt mit merkwürdigen Begegnungen, die zum Teil sehr ausgiebig geschildert werden. Als Beispiele seien hier Billys Zusammentreffen mit „Herman the German“, einem Autoverkäufer genannt (S.71ff), oder auch das mit zwei Mädchen beim Bingospielen (S. 142). Diese ausführlichen Schilderungen tragen nichts zu einer irgendwie gearteten Handlung bei, selbige gibt es nämlich gar nicht.

Interessant sind die eingeschobenen Rückblenden und Reflexionen Billys über seine Familie, die sich samt und sonders dem „Auftragskillertum“ verschrieben hat. Eine Einschränkung: Die Opfer müssen selber jemanden umgebracht haben, also Mörder sein. Der Onkel, bei dem Billy aufgewachsen ist, hat ein Faible für Philosophie, das sich auf den Neffen übertragen hat. Und so kommen auch philosophische Überlegungen zu der Frage, ob und unter welchen Umständen Morden gerechtfertigt sein könnte, nicht zu kurz. Nachdenkens wert fand ich den Gegensatz zwischen einem Mann, der einerseits sehr empathisch zu sein scheint (und Vegetarier ist), andererseits aber Menschen auf Anfrage töten.

Die Sprache ist salopp; es kommen umgangssprachliche Ausdrücke wie „okayer Haarschnitt“ vor (S. 129). Kurze Sätze bis hin zu Telegrammstil dominieren, längere oder komplizierte Sätze kommen so gut wie gar nicht vor. Oft werden Sätze, Begriffe, Erklärungen hinterhergeschoben, so dass der Sinn einer vorher gemachten Aussage geändert oder eingeschränkt wird:

„Auf seiner Mix-Kassette läuft You Sexy Thing von Hot Chocolate. Ich könnte mir keinen unpassenderen Song vorstellen. Für diese Straße.“ (S. 129)

Überhaupt spielt Musik eine sehr große Rolle in der Geschichte, da Billy ein großer Musikfreund ist und jedes Opfer ein Lied seiner Wahl hören darf, bevor es stirbt.

Das Ende ist offen, was ich einerseits schade finde. Andererseits ist es so ziemlich das einzig vernünftige Ende, das ich mir für die Geschichte vorstellen kann. Darin werden Billys Ausführungen darüber, warum er diesen Job macht, was er dabei empfindet und ob es Unrecht ist (S. 158) noch einmal aus einer anderen Warte kritisch beleuchtet. Und es erklärt letztlich auch, wie es überhaupt dazu kommt, dass Billy uns seine Reise schildert.

Fazit:

Insgesamt eine recht kurzweilige Geschichte ohne besondere Handlung, stellenweise etwas langatmig, dafür mit interessanten philosophischen Reflexionen und Rückblende. Dennoch nicht ganz überzeugend. Die Passagen, in denen die Reise und Billys Leben geschildert werden, berühren mich emotional nicht richtig. Die „theoretischen“ Teile mit den philosophischen Reflexionen finde ich nicht ausführlich genug. So habe ich das Thema weder mit dem Herz noch mit dem Kopf richtig durchdrungen.

Einzlkind – Billy – Suhrkamp

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