Kent Haruf – Our souls at night

Addie macht Louis einen ungewöhnlichen Vorschlag: Sie möchte seine Gesellschaft, nachts. Sie will mit ihm zusammen im Bett liegen, seine Hand halten und reden. Addie und Louis sind alleinstehend, ihre Partner sind vor einigen Jahren gestorben. Die beiden Nachbarn im Seniorenalter kennen sich so gut, wie man sich als Nachbarn eben kennt.

Mit dem wunderbaren ersten Satz wird der Stein ins Rollen gebracht: „And then there was the day when Addie Moore made a call on Louis Waters. It was an evening in May just before full dark.“

Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die später bereichert wird durch die Anwesenheit von Addies Enkelsohn Jamie. Seine Eltern haben sich vorübergehend getrennt und können sich nicht um das Kind kümmern. Addie und Louis machen es sich zur Aufgabe, dem durch die ungewohnte Situation aufgewühlten Jungen ein schönes zu Hause zu bieten. Und Jamie blüht auf. Alles wäre also wunderbar, wäre da nicht Addies Sohn Gene (Jamies Vater), der gegen die Verbindung seiner Mutter mit Louis ist und Jamie in Gefahr wähnt.

Our souls at night ist ein kurzes Buch mit einer sanften Sprache. Einfache Begebenheiten werden ohne große Aufregung erzählt, aber jede dieser Begebenheiten hat eine Bedeutung, erhellt die Beziehung zwischen Addie und Louis, zeigt ihr Verantwortungsgefühl gegenüber denen, die sie lieben, erklärt die Vergangenheit der beiden, deren Leben in vielerlei Hinsicht ein Kompromiss war. Sie haben Fehler gemacht, die sie nicht wieder gutmachen können, aber sie sind nicht verbittert deswegen. Sie genießen die gemeinsame Zeit, die Gegenwart des anderen, die Wahrhaftigkeit ihrer Freundschaft.

Das Buch lebt von dieser Wahrhaftigkeit. Es braucht keine besonderen stilistischen Kniffe. Haruf erzählt einfach, wie es ist, und das ist gut so.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, was in Ordnung war, da es nicht sonderlich lang und nicht sehr kompliziert geschrieben ist.

Fazit:

Eine wunderschöne Geschichte über zwei Menschen, die es wagen, ehrlich zu sein, sich zu öffnen und ein Risiko einzugehen.  Die damit belohnt werden, einen Seelenverwandten zu finden. Die zwar nicht gefeit sind vor den Unbill des Lebens, die schwere Entscheidungen treffen müssen. Die trotz allem einen Weg finden, ihre Freundschaft zu erhalten.

Kent Haruf – Our Souls at night – Picador

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