Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

Ein ganzes Leben ist ein kurzer Roman über einen Mann namens Andreas Egger, der ein einfaches, von schwerer Arbeit gekennzeichnetes Leben in den Alpen führt. Irgendwann Ende des 19. Jahrhundert geboren, erlebt er die Modernisierung seines Dorfes, den Einzug der Elektrizität in die Häuser usw., bis er schließlich mit knapp achtzig Jahren in Zurückgezogenheit stirbt. Die Geschichte endet nicht nur mit dem Tod, sie beginnt auch damit. Genauer gesagt mit dem Tod des alten Hörnerhannes; Egger hat den sterbenden Ziegenhirten gerade in seiner Hütte gefunden.

Egger ist kein Mann der großen Worte. Er ist einer, der tut, was getan werden muss. Stark, aber langsam, unermüdlich arbeitend, erweist er sich immer wieder als überraschend flexibel. Er hat ein großes Herz, auch wenn er seine eigenen Gefühle oftmals gar nicht richtig einordnen kann. Er ist umsichtig, mit Intuition ausgestattet und einer großen Liebe fähig.

Robert Seethaler hat ein Buch über einen Mann geschrieben, der in seinem Leben viele Tiefschläge erleidet, und dennoch Zufriedenheit empfindet, nicht zuletzt durch seine Verbundenheit mit der Natur. Die Sehnsucht nach einem anderen Leben streift Egger nur kurz, aber dieses Erlebnis ist nichts, was ihn in seinen Grundfesten erschüttert.

Der Reiz des Buches liegt meines Erachtens im Gegensatz zwischen dem einfachen, ungebildeten, wortkargen Mann auf der einen Seite und seiner Herzensbildung, seinem gesunden Menschenverstand, seiner Loyalität auf der anderen. Ein Mann, der überaus klug und mit Gespür für die eigenen Stärken und Schwächen das Beste aus sich und seinem Leben macht.

Dazu kommt eine in meinen Augen flüssige, treffende, nicht zu blumige, nicht zu schlichte Sprache, die Egger, sein Leben und die Natur zum Leben erweckt.

Fazit:

Ein kleines, mit einer wunderschönen Sprache ausgestattetes Buch über einen einfachen und doch besonderen Mann, den ich gerne auf seinem Lebensweg begleitet habe.

Robert Seethaler – Ein ganzes Leben – Goldmann

 

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