Dimitri Verhulst – Die Unerwünschten

Die Unerwünschten umfasst zwei Geschichten, die sich um das Schicksal von Heimkindern drehen und von wahren Begebenheiten handeln. Die erste Geschichte, Requiem für eine Fotze, erzählt von einem jungen Mann, der die Beerdigung eines Mädchens namens Gianna besucht. Sie hat mit ihm zusammen im Heim gelebt und sich selbst das Leben genommen. Die zweite Geschichte, Die Ankunft am bleichen Morgen, handelt von Sarah und Stefaan, einem Ehepaar, das seine beiden Kinder umgebracht hat und deshalb vor Gericht steht.

In Requiem für eine Fotze spricht ein unbekannter Erzähler ein „Du“ an. Ich habe es so verstanden, dass Verhulst, der selber im Heim gelebt hat, hier mit und über sich selbst und seine Erfahrungen spricht. Er tut das in einem überwiegend zynischen Tonfall, der mich sehr beklommen gemacht hat.

Der Junge ist erfüllt von Schuldgefühlen und zermürbender Selbstkritik. Ein Gefühl der Minderwertigkeit kommt in dem Bericht zum Ausdruck, aber auch Scham über die eigene Situation, das Gefühl, etwas beweisen zu müssen und die eigene Unsicherheit zu verbergen.

Der Erzähler beschreibt die Sonntage im Heim, an denen nur wenige Kinder Besuch bekommen. Und wenn doch, wird der „Appetit auf Mutterliebe“ schnell „von ihrem Achselgeruch erstickt“ (S. 26). Es geht um Sexualität, die im Heim zum Ersatz für Zuneigung wird, um gutmeinende Menschen, die ihren Müll im Heim abgeben und Dankbarkeit erwarten. Schließlich sitzt der Junge in der Kirche und muss sich anhören, alles sei gut, wie es ist (S. 33): „Der Anfang von Psalm 23 – ‚Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln‘ – ist eine wahre Zumutung für jeden Menschen.“

Und die Folgen? Eine davon ist die Bindungsunfähigkeit: „Einerseits fühltest du dich unheimlich leicht abgelehnt, andererseits hättest du Hornhaut auf sämtlichen Gefühlsorgangen entwickelt. Zwischen Bindungsfurcht und der Angst, verlassen zu werden, jagtest du hin und her.“ (S. 61).

Die Ankunft am bleichen Morgen  umfasst einen Dialog zwischen Stefaan und Sarah, den unter Anklage stehenden Eltern. Man erfährt, was die beiden für Menschen sind, wie sie zu Soziopathen – so das Urteil der Gutachter – wurden, die ihre Kinder umgebracht haben.

Andererseits wird in einer Ausführung des Richters klar, dass die beiden sich nicht hinter ihrer Herkunftsgeschichte verstecken dürfen, dass es Menschen gibt, die unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen und anders handeln (S. 134 ff). Die Ankunft am bleichen Morgen schockierte mich durch den kompletten Mangel an Empathie der Eltern für ihre Kinder.

Zwei Aussagen Stefaans bringen seine Sichtweise auf den Punkt: „Kinder darf man in die Welt setzen, aus welchem Grund auch immer. Aber wenn einer seine Kinder kaputtmacht, um endlich aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen, landet er vor Gericht. Alle hacken auf uns herum.“ (S. 99). Die Kinder werden aufgefasst als ein Ding, das man sich anschafft und wieder loswird. Es wird aber auch klar, was aus seiner Warte dahintersteckt: „Ich wusste nicht viel, aber eins wusste ich: Meine Kinder würden sie nicht in ein Heim stecken, nur über meine Leiche. Also, was sollten wir tun? Wir haben unsere Kinder kaputtgemacht. Zu ihrem eigenen Besten.“ (S. 141/142).

Fazit:

Inwieweit die geschilderten Umstände repräsentativ für Kinderheime sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Was den Gesamteindruck des Buches angeht, schließe ich mich dem an, was auf dem Umschlag steht: „schmerzhaft und ergreifend“.

Dimitri Verhulst – Die Unerwünschten – Luchterhand – Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten

 

Pierre Martin – Madame le Commissaire und das geheimnisvolle Bild

Die „Madame le Commissaire“- Krimireihe von Pierre Martin (Pseudonym) spielt in der Provence und umfasst bislang vier Bände: Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer, …und die späte Rache, …und der Tod des Polizeichefs sowie Madame le Commissaire und das geheimnisvolle Bild. Pierre Martin ist, soviel erfährt man, „ein Autor, der sich mit Romanen, die in Frankreich und Italien spielen, einen Namen gemacht hat“.

Die Titelfigur Isabell Bonnet war einst Leiterin einer geheimen Spezialeinheit der Police nationale in Paris. Seit einem Attentat, bei dem sie fast gestorben wäre, lebt sie wieder in ihrem Geburtsort Fragolin, einem (fiktiven) Dorf im Department Var. Dort leitet sie ein Kommissariat für besondere Aufgaben, d.h. sie kümmert sich um die Aufklärung alter, ungelöster Fälle. Ihr einziger Mitarbeiter ist der kauzige Sous-Brigadier Jacobert Apollinaire Eustache.

Aus ihrer Zeit in Paris hat sie noch gute Kontakte zu ihrem väterlichen Freund und obersten Dienstherren Maurice Balancourt, der sie mit Fällen versorgt und bei Bedarf  mit weitreichen Befugnissen ausstattet. Privat steht Isabell zwischen zwei Männern, Thierry  Blès, dem Bürgermeister von Fragolin, und Rouven Mardrigal, einem Kunst sammelnden Privatier, der in Band 1 von Isabell im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms beschützt wird.

Man könnte Isabell Bonnet auch „Wonderwoman“ nennen. Sie kann alles, einen Helikopter fliegen, einen Gangster mit ein paar Handgriffen unschädlich machen, über Dächer klettern, sich mühelos in der High Society bewegen etc. Sie hängt ihren Misserfolgen nicht lange nach und steckt auch ihre posttraumatische Belastungsstörung ohne zu jammern weg.

In den Romanen werden immer zwei Fälle gleichzeitig untersucht, die aber nicht zwingend etwas miteinander zu tun haben. In Madame le Commissaire und das geheimnisvolle Bild geht es einerseits um einen toten Staatssekretär, andererseits um ein gefälschtes Kunstwerk:

Isabell und Apollinaire wollen ihr ungewöhnliches Kommissariat gerade für eine längere Sommerpause schließen, da meldet sich Balancourt. Er bittet Isabell, die Umstände des Todes von Staatssekretär Roux aufzuklären, der Mitglied eines Untersuchungsausschusses zu illegalen Waffengeschäften war. Isabell ermittelt undercover in dem Hotel, in dem sich Roux zuletzt aufgehalten hat und kann Balancourt schon bald den Namen eines Bösewichts nennen, der dem Politiker aller Wahrscheinlichkeit nach den tödlichen Medikamenten-Cocktail verabreicht hat.

Derweil wird in Fragolin ein kleines Matisse-Museum eröffnet, für das sich Thierry  Blès stark gemacht hat und in dem kleinere, unbekannte Arbeiten des Künstlers ausgestellt werden. Thierry kommt zu Ohren, dass ein neues Bild von Matisse aufgetaucht ist, das gut in die Sammlung passen würde. Er bittet Rouven Mardrinac, es zu kaufen und dem Museum als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Als Isabell mit Rouven das Bild begutachtet, stellt sich heraus, dass es sich um eine Fälschung handelt. Eine genauere Untersuchung des Bildes bringt einen mysteriösen Hilferuf zutage.

Alles in allem finde ich, Klischees werden in der Reihe ein bisschen überstrapaziert. Es wird zudem auffällig viel gelächelt, geschmunzelt, gelacht. Einige Wiederholungen führten bei mir schließlich zu leichtem Überdruss: Balancourt ist immer Isabells Trumpfkarte, die Telefonate mit ihm laufen immer ähnlich ab, ebenso wie die Treffen Isabells mit ihrer Freundin Clodine [sic]. Apollinaire ist im Allgemein verschroben, zeigt aber im entscheidenden Moment überraschende Fähigkeiten etc.

Ungeachtet dessen machen die Bücher Lust, in die Provence zu reisen, die Sonne auf der Haut zu spüren, den Lavendel zu riechen, marinierte Lammkottelets zu essen und dabei ein Glas frischen Roséwein zu schlürfen. Madame le Commissaire hat mich auf unbeschwerte Weise unterhalten. Das Personal ist übersichtlich und der Handlung ist leicht zu folgen.

Fazit: Leichte, aber nicht zu seichte Unterhaltung mit Gute-Laune-Effekt und kleinen Macken.

Pierre Martin – Madame le Commissaire und das geheimnisvolle Bild – Knaur

Hartmut Lange – Das Haus in der Dorotheenstraße

Hartmut Langes Das Haus in der Dorotheenstraße umfasst fünf kurze Novellen: Die Ewigkeit des Augenblicks handelt von Michael Denninghoff, einem Taxifahrer, der den Tod seiner Frau nicht verwunden hat und die nicht gelebte Trauer an ihrem Lieblingsbild festmacht, das er nach ihrem Tod weggegeben hat und nun unbedingt zurückhaben möchte. In Der Bürgermeister von Teltow geht es um einen überforderten Politiker namens Andreas Schmittke, dessen Stress sich in der Vorstellung manifestiert, eine Krähe halte sich auf dem Rücksitz seines Autos auf. Das Haus in der Dorotheenstraße handelt von Gottfried Klausen, der für seinen Job nach London zieht, während seine Frau Xenia in Berlin zurückbleibt. Er erkennt lange nicht, dass sie einen Geliebten hat und gar nicht in Erwägung zieht, ihm nach London zu folgen. In Die Cellistin sieht und hört eine Person unbekannten Namens eine Cellistin in der Natur sitzen und spielen. Schnell wird der Person klar, dass es Einbildung ist, aber das mindert nicht den Reiz der Erfahrung. Schließlich handelt Der Schatten von Steffi Trautwein, die darunter leidet, dass ihr Ehemann Philipp dauernd abwesend ist. Sie hat sich in der Rolle der wartenden Ehefrau eingerichtet und rückt auch nicht davon ab, als sich die Hinweise mehren, dass er eine Affäre hat.

Hartmut Lange benutzt des Öfteren lange, verschachtelte Sätze, die durch Einschübe und Wiederholungen an die Ungeordnetheit der gesprochenen (und gedachten) Sprache erinnern. Im Prinzip behält er diesen Stil in allen Novellen bei, er fiel mir aber in der ersten Novelle besonders auf, was zu dem unsicheren Tonfall des Protagonisten passt. In der zweiten Novelle ist der Tonfall eher nervös, in der dritten sachlich-penibel, in der vierten – die in der Ich-Form geschrieben ist – entspannt und in der fünften ironisch-distanziert.

Distanziert klingen aber eigentlich alle Novellen (bis auf die vierte mit der Cellistin). Es wird beschrieben, was die Protagonisten denken und tun, aber man erfährt wenig über ihre Gefühle und Motive. Es gibt kaum wörtliche Rede, dafür sind die Gedanken in Anführungszeichen gesetzt, was ich so interpretierte, dass für die jeweils sehr einsamen Protagonisten die Grenze zwischen dem, was sie denken, und dem, was sie sagen, verwischt. Sie sind zu sehr mit sich allein.

In allen Novellen steht der Alltag im Vordergrund, das Festhalten an alten Gewohnheiten. Michael Denninghoff aus der ersten Novelle leidet darunter, den Alltag mit seiner Frau nicht mehr erleben zu dürfen, Bürgermeister Schmittke erlebt ihn als Druck und wird aus der Bahn geworfen. Die untreue Ehefrau Xenia in der dritten Novelle will den Luxus ihres Lebens in Berlin nicht aufgeben. Ihr Mann erkennt, dass er in der Fremde, ohne den gewohnten Alltag, in unangenehmer Weise auf sich selbst zurückgeworfen ist: „Denn wenn man sich mit einer Gegend nicht anfreunden kann, wird man auf sich selbst verwiesen. Man lernt sich kennen, und man erlebt, das kann ich dir versichern, manch unangenehme Überraschung.“ (S. 91). Ein Mann in der Fremde, mit einer daheimgebliebenen Frau, die Xenia heißt, und ihm fremd ist. Gottfried Klausen muss erst aus dem Alltag ausbrechen, um das zu begreifen. Die wartende Ehefrau Steffi in Der Schatten ignoriert alle Warnsignale, nur um ihren Alltag in gewohnter Form aufrechtzuerhalten. Persönliche Vermutungen/Hoffnungen werden als allgemeine Aussagen umgedeutet und sich schöngeredet (S. 113).

In allen Novellen (außer der der Cellistin) geht es darum, dass die Protagonisten die Augen vor der Realität verschließen, nur sehen, was sie sehen wollen. Sie können schwer ertragen, dass die eigenen Überzeugungen angekratzt oder gar widerlegt werden. Lieber sterben sie (Novelle 1), verharren in einer Situation (Novelle 5), fliehen (Novelle 3), oder bekämpfen eine eingebildete Krähe (Novelle 2).

Die Protagonisten in diesen vier Novellen hängen einer fixen Idee nach, haben keinen richtigen Zugang zu ihren Gefühlen und den Gründen für ihr Verhalten und sind so in ihrem Ich und ihrer Situation gefangen. Die nicht fassbaren Gefühle machen sich an einer eingebildeten Krähe fest (Novelle 2), einem Kunstdruck (Novelle 1), dem Schatten vor dem Hintereingang (Novelle 5), einer Aschewolke nach einem Vulkanausbruch (Novelle 3).

Auch in der Novelle Die Cellistin gibt es ein Symbol – eben die eingebildete Musikerin bzw. die CD mit ihrer Musik. Nur dass der Protagonist diese Einbildung annimmt und versteht: „Ich war ernüchtert, musste mir eingestehen, dass die Begegnung mit der Cellistin eine Täuschung gewesen war. […] ‚Es gibt kein Rendezvous mit einer Toten, die in England begraben ist und also keinerlei Grund hat, tausend Kilometer weiter ostwärts wieder aufzutauchen‘, dachte ich, spürte aber, dass sich die Sache damit keineswegs erledigt hatte. ‚Was unmöglich erscheint, kann man herbeizaubern.‘

Schließlich bringt der Erzähler es auf den Punkt: „‚Was wäre das für eine Welt, in der es nicht gelingt, die Wirklichkeit durch eine Täuschung aufzubessern‘, dachte ich […].“ (S. 101-102). Genau das machen die Protagonisten aller fünf Novellen, aber nur der Protagonist in Novelle 4 ist sich dessen bewusst. Er erkennt auch die wichtige Rolle der Kunst und resümiert über die CD mit der Musik der Cellistin: „‚Aber es zaubert‘, dachte ich, ‚sowie man es zum Klingen bringt, eben jene menschenfreundliche Ewigkeit herbei, auf der die Cellistin offenbar nicht zu hoffen gewagt hatte.‘“ (S. 104-105). In der Kunst wird der Augenblick zur Ewigkeit, kann man ihn am Leben erhalten. Es ist „[…] die Kunst, die es uns ermöglicht, die Grenze von Leben zum Tode niederzureißen‘.“ (S. 104). Denninghoffs Ehefrau erkannte das zu ihrer Zeit auch in dem Kunstdruck. Sie sagte zu den beiden Personen auf dem Bild: „Die zwei wirken überaus lebendig, verharren aber in ein und derselben Haltung. Es gibt eine Ewigkeit des Augenblicks.“ (S. 32). Hier kommt nach meinem Empfinden auch wieder das Thema „Festhalten“ an etwas Bekannten zum Ausdruck, so dass der Bogen zum Thema „Alltag“ geschlagen wird.

Fazit: Fünf beeindruckende Novellen, große Symbolik auf kleinstem Raum.

Hartmut Lange – Das Haus in der Dorotheenstraße – Diogenes

Jean Echenoz – 14

14 ist ein kurzer Roman über den ersten Weltkrieg. Konkret geht es um Anthime, der zusammen mit seinen Bruder Charles eingezogen wird. Blanche bleibt zurück; sie erfährt, kaum dass die Männer weg sind, dass sie von Charles schwanger ist. Zwar sind sie und Charles weder verlobt noch verheiratet, aber sie will das Kind dennoch und trägt es aus. Das sollte zu dieser Zeit eigentlich ein Problem sein, aber: „Blanche zeigte sich einfach ein halbes Jahr nicht so oft in der Stadt, dann, nach der Geburt, nannte man den Krieg als Grund für die Verschiebung der Hochzeit, erfand ein Verlöbnis, das nie stattgefunden hatte, und versuchte, die Illegitimität des Neuankömmlings hinter der flugs zum Helden verklärten Gestalt des angegeben Vaters vergessen zu machen […].“ (S. 66-67)

Die jungen Männer ziehen in den Krieg in dem Gefühl, dass es nur wenige Wochen dauern wird; sie haben keine Ahnung von dem Horror, der sie erwartet. Mit ihnen erlebt der Leser, dass der Krieg keinen Unterschied macht; es ist egal, als welche Person man in den Krieg zieht. Charles glaubt, dass er etwas Besseres ist als sein Bruder Anthimes, doch ungeachtet dessen ist er der Erste, der umkommt. Aber auch Anthime bleibt nicht verschon; sein Leben wird für immer unter dem Schatten des Krieges stehen.

In einem Kapitel über das Verhältnis von Mensch und Tier beleuchtet das Buch sehr eindrücklich, was der Krieg aus den Menschen machen kann (Kapitel 12): Die Soldaten töten und essen in ihrem großen Hunger alles, was sie kriegen können. Sie werden dabei selbst zu Tieren: „Es geschah sogar, dass Arcenal und Bossis […] einem Ochsen bei lebendigem Leibe im Stehen ein paar Koteletts  entnahmen und ihn dann sich selbst überließen.“ (S. 90). Aber der Mensch macht sich nicht nur über die Tiere her, die Tiere machen sich über den Menschen her. Flöhe befallen die Soldaten, überall laufen Ratten herum (S. 93-95).

Die Sprache ist nüchtern, aber detailliert, drängend, intensiv und mehr oder weniger frei von direkter Rede. Echenoz schreibt eher längere Sätze, die aber nicht allzu verschachtelt sind, und er hat nach meiner Einschätzung einen Sinn für treffende Adjektive. Die Nüchternheit der Sprache betont den Irrsinn des Krieges umso mehr: Ein Freund Anthimes desertiert, ohne es zu wollen, und verliert dadurch sein Leben; Charles wird versetzt in der Hoffnung, zu überleben, und stirbt als erstes; Männer verletzten sich selbst, freuen sich über einen fehlenden Arm, weil sie dann untauglich sind und nach Hause können.

Der Kontrast zwischen dem Krieg und zu Hause könnte größer nicht sein: Hier bangt Anthime um sein Leben – da leidet Blanche wegen und mit einem zahnenden Kind. Die Daheimgebliebenen machen sich keine Vorstellung davon, was die Männer im Krieg erleben bzw. erlebt haben. „Als Anthime nach Hause kam, betreute man ihn sorgfältig während seiner Rekonvaleszenz, pflegte und verband ihn, wusch ihn und gab ihm zu essen und wachte über seinen Schlaf. Man, das heißt vor allem Blanche, die ihm erst liebevoll vorwarf, dass er während seiner fünfhundert Tage an der Front abgenommen hatte – dabei vergaß sie ganz, die ungefähr dreieinhalb Kilo abzuziehen, die ein verlorener Arm dazu beiträgt.“ (S. 106)

Fazit:

Ein dichtes, plastisches, drängendes, lesenswertes kleines Buch über den ersten Weltkrieg. Eine Art Quintessenz dessen, was der Krieg für die Soldaten bedeutete: Die Naivität, mit der sie hineingingen, die furchtbaren Dinge, die sie erleiden mussten, das Leben danach.

Jean Echenoz – 14 – Berlin Verlag – aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel

Han Kang – Die Vegetarierin

Die Vegetarierin handelt von Yong-Hye, einer Frau, die sich von einen Tag auf den anderen weigert, Fleisch, Fisch oder andere tierische Produkte zu sich zu nehmen.  Der Ehemann und die restliche Familie versuchen, sie zum Essen zu bewegen, aber es gelingt ihnen bis zum Schluss nicht.

Das Buch besteht aus drei Teilen. Teil 1 wird aus der Sicht des Ehemanns Chong erzählt. Er hat sich bewusst für eine durchschnittliche Frau entschieden. Abgesehen von der Tatsache, dass Yong-Hye keinen BH trägt, ist sie total unauffällig. Sie kocht, macht den Haushalt, schläft mit ihrem Mann, ansonsten lässt sie ihn in Ruhe. Er ist zufrieden, hat nie „die Herausforderung gesucht, die eine außergewöhnliche Ehefrau mit sich gebracht hätte.“ (S. 8). Es läuft aus seiner Sicht alles gut, er arbeitet die meiste Zeit und kümmert sich nicht um seine Frau.

Als Yong-Hye Hals über Kopf zur Vegetarierin (eigentlich Veganerin) wird, ist Chong zunächst entsetzt – bekommt er jetzt kein Fleisch mehr serviert? Er interessiert sich aber nicht für Yong-Hyes Motive, die sagt, ein Traum stecke dahinter, und gewöhnt sich an sein neues Leben. Es stört ihn nur, dass sie nicht mehr mit ihm schlafen will, und so vergewaltigt er sie. Nach einem Geschäftsessen, bei dem Yong-Hye ihren Mann seiner Meinung nach blamiert, informiert er schließlich ihre Familie. Die Eltern machen sich vor allem Sorgen um Chong, der nun zu Hause ohne Fleisch auskommen muss. Bei einer darauffolgenden Familienfeier will der cholerische Vater Yong-Hye mit Gewalt zwingen, Fleisch zu essen. Er schlägt sie, wie er das bis zu ihrem 18. Lebensjahr getan hat. Der Ehemann fasst es als „Demonstration väterlicher Liebe“ auf (S. 42). Yong-Hye schneidet sich daraufhin die Pulsadern auf und kommt ins Krankenhaus.

In kursiv gedruckten Passagen werden in diesem ersten Teil nach und nach Yong Hyes Träume und Empfindungen dargestellt. Sie kann nicht schlafen, weil sie immer wieder von Träumen heimgesucht wird. Sie spürt einen Druck in Herz und Magen: „Was sich dort angesammelt und festgesetzt hat, das sind Schreie und Gebrüll. Und die kommen vom Fleisch. Ich habe zu viel davon gegessen. All die Seelen sind dort eingeklemmt, da bin ich sicher“ (S. 53). Dieser Druck ist übrigens auch der Grund, warum sie keinen BH trägt (S. 52/53). Es wird in diesen Passagen aber meines Erachtens auch deutlich, dass Yong-Hye Fleisch eigentlich mag, dass es für sie auch Lebendigkeit bedeutet (S. 15/16). Gleichzeitig hat sie das Gefühl, „mit den eigenen Händen jemanden umgebracht zu haben oder getötet worden zu sein“ (S. 32).

Am Ende des ersten Teils sagt Chong: „Ich betrachtete die Szene wie ein Außenstehender, als sei ich nur ein Schaulustiger“ (S. 56). Und genauso liest es sich. Emotional unbeteiligt, aber detailliert, schildert Chong den furchtbaren Verfall seiner Frau. Dieser Eindruck wird verstärkt dadurch, dass der Teil in Ich-Form verfasst ist. Schließlich träumt Chong, Yong-Hye umzubringen. Ist dieser Traum ein Ausdruck von Schuldgefühl? Oder symbolisiert er einfach den Wunsch, sie loszuwerden?

Teil 2 wird aus Sicht des Schwagers erzählt. Er ist ein nicht sonderlich erfolgreicher Video-Künstler; seine Frau In-Hye – Yong-Hyes Schwester – besitzt einen sehr gut laufenden Kosmetiksalon. Der Schwager ist der einzige, der Yong-Hye als normal ansieht. Er möchte wissen, warum sie kein Fleisch mehr ist, interessiert sich für ihre Motive, empfindet starkes Mitgefühl für sie seit ihrem Selbstmordversuch. Er denkt aber auch, dass ihre Situation hoffnungslos ist und dass sie wohl erneut versuchen wird, sich umzubringen (S. 71).

Seit In-Hye ihm erzählt hat, dass Yong-Hye einen Mongolen-Fleck oberhalb des Gesäßes hat, ist er besessen von der Vorstellung, dass sich zwei nackte Menschen, die über und über mit Blumen bemalt sind, vereinen. Er möchte das Ganze filmen, und er möchte, dass Yong-Hye und er diese beiden Menschen sind.  Er liebt Yong-Hyes „Natürlichkeit eines wildgewachsenen Baumes [], der nie zurechtgestutzt worden war.“ (S. 68). Yong-Hye ist für ihn ein „göttliches Wesen, weder Mensch noch Tier, eher irgendwas zwischen Pflanze und Urwild.“ (S.  92). Ihren Mongolenfleck  empfindet er als „ein Überbleibsel der Photosynthese. Auf alle Fälle etwas Pflanzliches, nichts Sexuelles.“ (S. 87). Er spürt eine große Freude, als sie ihm schließlich erlaubt, sie mit Blumen zu bemalen und zu filmen (S. 91).

Yong-Hye mag die Bemalung und möchte, dass sie bleibt (S. 93). Sie fühlt sich beschützt, träumt nicht mehr schlecht (S. 100). Als sich der Schwager schließlich auch mit Blumen bemalen lässt, schläft Yong-Hye mit ihm. Danach sagt sie: „Ich habe geglaubt, das Fleisch sei daran schuld. [] Ich dachte, ich bräuchte nur auf Fleisch zu verzichten und hätte diese Träume nicht mehr. [] Erst jetzt … habe ich verstanden. Diese Gesichter leben in meinem Bauch. Sie kommen von dort. [] Nun habe ich keine Angst mehr … Das macht mir keine Angst mehr.“ (S. 121). Kann sie an dieser Stelle vielleicht gesund werden? Wir werden es nicht erfahren, denn die Schwester erwischt die beiden, hält das Ganze für krank und lässt beide in die Psychiatrie einweisen. Im Gegensatz zu ihrem Mann wird Yong-Hye die Psychiatrie nie mehr verlassen.

Der dritte Teil wird aus Sicht In-Hyes im Präsens mit Rückblenden in die jüngere und ältere Vergangenheit erzählt. Diese Form der Darstellung lässt das Erzählte unmittelbarer erscheinen und Zusammenhänge zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit deutlich werden. Nachdem In-Hye ihren Mann mit Yong-Hye erwischt hat, verlässt sie ihn. Sie erkennt, dass ihr Ehemann ihr in den Jahren des Zusammenlebens fremd geblieben ist, dass sie ihn nie verstanden hat. Sie hat sich einfach angepasst, nicht widersprochen, alles hingenommen. Sie liebt ihn nicht, hat ihn nie geliebt, er sie auch nicht. Sie denkt über ihre Kindheit nach, darüber, dass sie sich immer um Yong-Hye gekümmert hat, und dass Yong-Hye es war, die die meisten Prügel vom Vater einstecken musste. In-Hye wird zunehmend der Schlaf geraubt, genauso wie zuvor Yong-Hye, die inzwischen wegen Magersucht und Schizophrenie in der geschlossenen Psychiatrie liegt.

Yong-Hye fühlt sich wie eine Pflanze und glaubt, sie brauche nur noch Wasser und Sonne. Die Ärzte wollen sie mit Gewalt zwingen, zu essen – genau wie ihre Eltern. Yong-Hye ist wütend auf In-Hye, weil sie die Ärzte in diesen Versuchen unterstützt, statt ihr die Hoheit über den eigenen Körper – letztlich den Tod – zuzugestehen. In-Hye begreift, dass wenn ihre Schwester und ihr Mann nicht verrückt geworden wären, sie vielleicht den ersten Schritt in diese Richtung getan hätte.

Fazit:

Die Vegetarierin ist für mich die bedrückende Geschichte einer Magersucht. Erst macht sich Yong-Hye mit ihrer Durchschnittlichkeit unsichtbar, dann löst sie sich vollends auf, indem sie kein Fleisch mehr isst und abnimmt. Sie lehnt Fleisch ab, das nach meiner Interpretation hier für das Leben steht. Der Druck, den Yong-Hye spürt, die Schreie und das Gebrüll, stehen nach meinem Empfinden für ihren Wunsch nach Leben, den sie sich nicht zugesteht, und die Wut darüber, dass man ihr ein eigenständiges Leben verwehrt hat. In-Hye und ihrem Mann geht es ähnlich, doch während der Ehemann sich diesen Gefühlen früh angenähert hat, lässt In-Hye sie erst ganz am Ende zu, als ihre Schwester schon fast tot ist.

Han Kang – Die Vegetarierin – Aufbau-Verlag – aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee

 

Astrid Rosenfeld – Zwölf Mal Juli

Protagonistin Juli bekommt eine E-Mail von Jakob, der in einem knappen Dreizeiler sein Kommen für den 24. Mai ankündigt. Was man am Anfang noch nicht weiß: Jakob hat Juli vor Jahren völlig überraschend verlassen, ohne zu sagen, warum. Seitdem hat sie ihn nicht mehr gesehen.

Es sind noch zwölf Tage bis zum 24. Mai, die in dem kurzen Roman von Astrid Rosenfeld beschrieben werden. An jedem dieser Tage trifft die Protagonistin auf eine besondere Person, und Julis Denken und Handeln in diesen sehr unterschiedlichen Zusammentreffen illustrieren nach und nach ihre Persönlichkeit und Geschichte. Als Leser lernt man Jakob kennen, Julis Eltern, ihren Bruder, aber auch eine Reihe anderer Personen, die Julis Leben mehr oder weniger stark beeinflussen.

Es entfaltet sich das Bild einer sehr sympathischen, etwas verlorenen jungen Frau, die einem Freund nachhängt, der sie nie richtig verstanden hat. Einerseits empfinde ich die Geschichte als melancholisch, weil ich Julis Einsamkeit nachfühlen kann, andererseits ist es aber auch eine hoffnungsvolle Geschichte, weil Juli auf Menschen trifft, die sie verstehen und ihr nah sind.

Juli ist voller verrückter Sehnsüchte und Ideen, voller Mitgefühl, Spontaneität, Zweifel – Nichts davon konnte Jakob von jeher so richtig nachvollziehen. Noch dazu hatte Juli während ihrer Zeit mit Jakob ständig das Gefühl, nichts zu sagen zu haben, während Jakob immer eine interessante Geschichte auf Lager hatte.

Nachdem er weg ist, versucht sie, in dieser Hinsicht aufzuholen, saugt begierig Fakten auf, damit sie genauso viel zu erzählen hat wie Jakob. Doch das macht ihr Leben nicht besser. Ihre Karriere als Schriftstellerin stagniert, sie bringt nichts zu Papier. Sie ist passiv, lässt die Dinge geschehen, hängt Jakob nach, hat mit Jakob sich selber verloren. In ihrem Kopf spukt noch das Bild, dass er ihr von ihrer eigenen Persönlichkeit eingepflanzt hat: Eine Frau, die feige ist, nichts zu sagen hat und nichts kann.

Juli findet ganz zu Anfang der Geschichte eine tote Taube, um die ihre Gedanken während der zwölf Tage kreisen. Sie ist überzeugt, dass die Taube eine Botschaft für sie hat, und hört nicht auf, nach dieser Botschaft zu suchen. Am zwölften Tag – dem Tag des Wiedersehens – begreift Juli endlich: Sie muss Jakob hinter sich lassen.

Die Sprache ist sehr reduziert und auf den Punkt, federleicht.

Fazit:

Eine sehr schöne kleine Geschichte, die mich berührt hat.

Astrid Rosenfeld – Zwölf Mal Juli – Diogenes

Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Der Roman Die Geschichte der Bienen besteht aus drei Handlungssträngen, die in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spielen. William ist ein unglücklicher englischer Wissenschaftler in der Mitte des 19. Jahrhunderts, der gerade erst das Wunder der Bienen entdeckt. In der Gegenwartsgeschichte geht es um den US-amerikanischen Imker George, der darunter leidet, dass sein Sohn Tom das Geschäft nicht fortführen will. Die dritte Geschichte spielt im China des ausgehenden 21. Jahrhunderts. Protagonistin Tao bestäubt als Arbeiterin Blüten, da es keine Bienen mehr gibt. Es handelt sich um eine Dystopie, die illustriert, wie das Leben aussehen könnte, wenn es keine Bienen mehr gäbe.

William ist Saatgutverkäufer und siebenfacher Vater, dessen Herz für die Wissenschaft schlägt. Eine Leidenschaft, der er durch die Familiengründung und den Zwang, Geld nach Hause zu bringen, leider nicht ausgiebig frönen kann. Er wird depressiv, fängt sich aber wieder und entwickelt neue Arten von Bienenstöcken. Allein, zum Durchbruch kommt es nicht, da er mit seinen Erfindungen zu spät dran ist. Seine Tochter Charlotte „erbt“ sein Interesse für Bienen. Dabei erkennt William lange nicht, was er an Charlotte hat, weil er ständig auf Sohn Edmund schielt, den er mit seinen Forschungen beeindrucken will. Auch sein ehemaliger Professor und Mentor Rahm spielt eine große Rolle, er ist eine Vaterfigur,  die William nicht enttäuschen will. Letztlich ist William gefangen in seinem inneren Konflikt und kreist um sich selbst.

George, der Imker, kann nicht akzeptieren, dass sein Sohn Tom andere Pläne für die Zukunft hat, als den Hof des Vaters zu übernehmen. In dieser Geschichte geht es, ähnlich wie bei William und Edmund, um den typischen Konflikt zwischen Eltern und Kindern – inwieweit lässt man den Kindern Raum, ihre eigenen Wege zu gehen. George ist ein Praktiker, will seinem Sohn alles beibringen, was man fürs Imkerdasein können muss. Tom dagegen will schreiben, ist ein begabter Student, doch das interessiert George nur am Rande. George sieht, genau wie William, nur sich selbst und missbilligt die akademischen Ambitionen seines Sohnes. Als es jedoch zu einem großen Bienensterben kommt, entscheidet sich Tom überraschend für seinen Vater und den Hof. Später erfahren wir, dass Toms Wissen und seine Erfahrungen Tao und ihren Mitmenschen in Form eines Buches wieder Hoffnung gibt.

Taos Leben kann man kaum ein solches nennen, es ist eher ein Kampf ums Überleben. Die Städte sind tot, die verbliebenen Menschen leben auf dem Land und arbeiten unermüdlich.  Sie müssen Blüten von Hand bestäuben, damit es etwas zu essen gibt. Tao glaubt daran, durch Bildung zu einem besseren Leben zu finden, ihr Mann Kuan hat sich mit der aktuellen Situation arrangiert. Sie leben unter einer strengen Regierung, die alles bestimmt, keinen Widerspruch duldet, dies aber immerhin in dem Bemühen, die Menschen am Leben zu erhalten. Die Menschen werden in dieser Phase selber zu Bienen unter einer alles bestimmenden Königin, zu unermüdlichen Arbeitern und Arbeiterinnen. Als Taos Sohn einen Unfall hat, macht sie sich auf die Suche nach dessen Ursache. Sie kehrt mit einer Hoffnung gebenden Erkenntnis zurück.

Jede Geschichte für sich wäre nach meiner Einschätzung zu mager gewesen – die Konflikte zwischen den Protagonisten werden nicht in der Tiefe behandelt. Doch die Zusammenstellung der Handlungsstränge, die jeweils stückweise dargeboten werden, ist reizvoll. Dabei sind die Geschichten natürlich einerseits über das Thema Bienen verbunden, andererseits ist George ein Nachkomme Williams, und Tao findet ein Buch, dass Tom geschrieben hat.

Sehr interessant und wichtig finde ich, was man in sachlicher Hinsicht über die Bienen erfährt und natürlich über die möglichen Folgen ihres Aussterbens. Hier rüttelt das Buch auf und macht deutlich, wie wichtig es ist, die Bienen zu erhalten. Es war für mich allerdings ein bisschen schwierig, das inhaltliche Anliegen – die Bedeutung der Bienen für die Menschen zu illustrieren – und die Familien-Geschichten zusammen zu bringen. Ich wusste nicht so richtig, was ich gerade lese. Drei Familiensagen? Ein Sachbuch? Ein Buch über zwischenmenschliche Erwartungen? Diese Unklarheit, die natürlich im Konzept des Buches angelegt ist, bewahrte bei mir eine gewisse Distanz zum Text.

Es ist schon angeklungen, dass das Thema Bildung in dem Roman von großer Bedeutung ist. Es wird aber auch deutlich, dass Theorie und Praxis nur in der Kombination zum Ziel führen. George kann nicht glauben, dass die Theorie irgendeinen Nutzen für ihn als Imker hat. Doch das von Tom angelesene Wissen in Kombination mit seinen praktischen Erfahrungen helfen schließlich Tao. Ihre unbeirrbare Auffassung, dass Bildung der Schlüssel zur Lösung der Probleme ist, führt dazu, dass die Menschen zum ersten Mal wieder Hoffnung haben.

Sprachlich-stilistisch sticht der Roman, soweit ich das beurteilen kann, nicht besonders heraus.  Mir sind weder besonders raffinierte, noch besonders schlechte Formulierungen aufgefallen, es war einfach eine leicht zu lesende Lektüre, was ich angesichts des facettenreichen Inhaltes passend finde.

Fazit:

Im Gesamtpaket eine gut lesbare, interessante, spannende und wichtige Lektüre mit Appell-Charakter, genremäßig (wenig überraschend) nicht so richtig einzuordnen.

Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen – btb Verlag – aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein