Daniel Glattauer – Die Wunderübung

Die Wunderübung ist kein Roman, sondern ein Theaterstück bzw. eine Komödie. Sie handelt vom Ehepaar Dorek, das einen Berater aufsucht, um eine Paartherapie zu machen. So besteht das Buch im Wesentlichen aus wörtlicher Rede plus einigen kurzen „Regieanweisungen“:  „Berater (hocherfreut): Jaja, aber sicher, natürlich! Sehr gerne! Der Berater mustert die Klienten erwartungsvoll. Schweigepause. Joana: Sie meinem vielleicht, dass einer von uns beiden…“ (S. 8).

Das Ehepaar macht es dem Berater nicht gerade leicht; Herr und Frau Dorek sind ein bisschen sperrig – um es vorsichtig auszudrücken – und die Komödie handelt davon, wie der Berater mit dieser Situation umgeht und das Paar doch noch „knackt“ und ihnen hilft. Angeblich schafft er das mit Hilfe der titelgebenden „Wunderübung“, letztlich ist es aber die sogenannte „Paradoxe Intervention“, die hilft und in der Komödie beschrieben wird.

Es wird deutlich, warum die Situation der Doreks so verfahren ist: Keiner der beiden will seine Dominanz aufgeben, sich in den anderen hineinversetzen, es hagelt gegenseitige Vorwürfe, eine böse Unterstellung jagt die nächste. Am Ende ist es um die Beziehung von Joana und Valentin dank der Intervention des Beraters zwar wieder besser gestellt, aber eigentlich haben sie nichts dazugelernt.  Dafür der Leser umso mehr.

Man lernt in Die Wunderübung also etwas darüber, wie manche Paare miteinander umgehen und welche Methoden Psychotherapeuten anwenden, um Beziehungskonflikte zu bearbeiten. Man erfährt aber letztlich auch – und das ist neben der plötzlichen Wendung hin zur Lösung des Beziehungskonfliktes der zweite Clou des Buches – dass es zwei verschiedene Paar Schuhe sind, andere Menschen zu behandeln und selber eine Beziehung zu führen (S. 109-111).

Fazit:

Ein kleines, lehrreiches Büchlein für zwischendurch für alle, die sich für Psychologie interessieren; amüsant und mit zwei mehr oder weniger unerwarteten Wendungen.

Daniel Glattauer – Die Wunderübung – Goldmann

 

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